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Liquidität Sichern

Stellen Sie jetzt sicher, dass Sie Ihre Liquiditätssituation verstehen. Und installieren Sie ein Liquiditätsmanagement. Und dann machen Sie sich daran, Einnahmen und Ausgaben zu optimieren. Da gibt es einige Möglichkeiten. Und wenn Sie diese Woche allenfalls zur Bank gehen, machen Sie damit einen guten Eindruck.

Mit dieser Liste möchte ich Ihnen praktische und einfache Tipps von Profis an die Hand geben, die für mich auch wichtig waren und sind. Vielleicht ist was dabei?

Liquididätsplanung und Liquiditätsmanagement

Erstellen Sie als erstes eine Liquiditätsplanung. Leider gibt es im Netz wenig eifnache und schnell umsetzbare Vorlagen. Einige Banken bieten diese auf Excel Basis an. Meine Empfehlung wäre, bei Ihrer Hausbank eine Vorlage zu organisieren. Im Hinblick auf allfällige Kreditanträge, verfügen Sie damit bereits über Unterlagen, die Ihrem Ansprechpartner vertraut sind. Das wird vieles einfacher machen. Zudem sind Kontenrahmen und der Postenauszug von Bank und Post gute Orientierungshilfen.

Installieren Sie auch ein Liquiditätsmanagement. Die Überprüfung von Auftragseinängen, Debitoren und Kreditoren aber auch der regelmässige Blick auf Ihren Zahlungsverkehr gehören jetzt genau so wie der Blick in die Mailbox zu den täglichen Routinen. Die Kenntnis ihrer Finanzzahlen ist ein Vorteil in den anstehenden Gesprächen. Und reagieren Sie sofort, wenn Debitoren nicht bezahlen. Sprechen Sie mit Ihren Kunden. So verstehen Sie schnell, wo Sie allenfalls Risiken haben.

Kosteneinsparungen und Kostenreduktionen

  • Priorisierung: Priorisieren Sie Zahlungen auf der Zeitachse (wichtig, aufschiebbar)
  • Mietzins: Sprechen Sie mit dem Vermieter über eine temporäre Mietzinsreduktion.Argument: Es nützt dem Vermieter auch nichts, wenn Sie den Zins nicht mehr bezahlen können und das Gewerbelokal kündigen. Zudem wird es für Vermieter nicht einfach sein, das Gewerbelokal neu zu besetzen. Und Sie sind eine angenehme Mieterin/Mieter.
  • Lieferantenrechnungen: Versuchen Sie bestehende Rechnungen zu reduzieren oder nachträglich Rabatte auszuhandeln. Argument: Ihr Lieferant will Sie als Kunde nicht verlieren. Und vielleicht hat er tatsächlich noch etwas „Luft“ und kann Ihnen in irgendeiner Form entgegen kommen (Zeitpunkt, Betrag, kommende Lieferungen).
  • Nicht benötigte Services: Sprechen Sie mit Anbietern von Services, die Sie im Abonnement beziehen (Software, Dienstleistungen). Vielleicht könnten Sie diese aussetzen oder „downgraden“ für eine bestimmte Zeit. Argument: Auch diesem Lieferanten nützt es nichts, wenn er Sie als Kunden verliert.
  • Kurzarbeit: Nutzen Sie diese Institution. Gemäss aktuellster Mitteilung des Bundes können jetzt auch Inhaber von juristischen Gesellschaften Kurzarbeit beantragen. Das gilt auch für deren Angehörige, die im Betrieb arbeiten, sogenannte Freelancer oder Scheinselbstständige. Es gibt ein vereinfachtes Verfahren. Dennoch genug Zeit für den Papierkrieg einplanen und Unterlagen bereit halten.

Mittelbeschaffung, Überbrückung

  • Rechnungen an Kunden: Der Bund will seine Rechnungen bei Lieferanten umgehend bezahlen und geht mit gutem Beispiel voran. Sprechen Sie mit Ihren Kunden, insbesondere mit denen, die nur bedingt von der Krise betroffen sind (Banken, Kanton, Gemeinden, nicht betroffene Detailhändler etc.). Argument: Auch Kunden möchten Sie als seriösen und verlässlichen Lieferanten behalten.
  • Rechnungen stellen: Stellen Sie erbrachte Dienstleistungen/Arbeiten unbedingt sofort Ihren Kunden in Rechnung. Es geht um Ihre Liquidität.
  • Sozialversicherungen, Mehrwertsteuer, Lenkungsabgaben, Steuern:
    Der Bund gewährt einen Zahlungsaufschub. In der Regel besteht auch die Möglichkeit für Teilzahlungen, oder provisorische Steuerrechnungen aufgrund des tieferen Umsatzes und Gewinns anpassen zu lassen. Auch schauen, ob beispielsweise Akontozahlungen bei den Sozialversicherungen die neue Situation berücksichtigen. Achtung: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
  • Offene Lieferantenrechnungen: Unbedingt mit allen Lieferanten telefonieren. Wenn Sie keine Reduktionen erzielen können (siehe unten), gibt es vielleicht Möglichkeiten die Rechnungen in Raten zu bezahlen. Eventuell den Zahlungstermin von 30 Tagen auf 90 Tage erhöhen. Argument: Der Lieferant will Sie als Kunde ja auch nicht unbedingt verlieren. In einigen Monaten haben wir das hoffentlich hinter uns und der Lieferant wird froh sein, Sie weiterhin als Kunde behalten zu können.
  • Lager und fixe Beschaffung: Lager jetzt abbauen und gegebenenfalls auch fixe Lieferungen korrigieren oder unterbrechen.
  • Kredite: Es gibt verschiedene Lösungen auf dem Markt. Der Bund hat zur Sicherung der Liquidität Bürgschaften in Milliardenhöhe gesprochen. Davon können Sie profitieren, indem Sie mit Ihrer Hausbank sprechen. Denken Sie aber daran: Es handelt sich um einen Kredit und kein Geschenk. Deshalb macht es Sinn, eine gute Planung zu haben und nur das zu beanspruchen, was sie wirklich brauchen. Wichtig zudem: Nehmen Sie aktuelle Unterlagen mit (Geschäftsbericht, ggf. Debitoren- und Kreditorenlisten).

Weitere Themen

  • Analysieren Sie auch, ob und gegebenenfalls welche Regelungen die Verträge mit Geschäftspartnern für den Fall von Einschränkungen infolge Pandemie vorsehen.
  • Schliesslich empfiehlt es sich zu prüfen, ob für allfällige Ausfälle im Zusammenhang mit einer Pandemie eine Versicherungsdeckung besteht.

Danke

Ich danke an dieser Stelle Nadine Caprez (Go! Mikrokredite) und Christian Grommé (CFO und Nachbar) für die wertvollen Inputs und den Austausch zwischen Stuhl und Bank.

Kosten einzusparen und die eigene Liquidität sicherzustellen sind jetzt zentral. Berücksichtigen Sie dabei auch, dass die Durststrecke weit über den Lockdown anhalten kann. Und dass geliehenes Geld (Bürgschaft Staat) zurückbezahlt werden muss. Mittel- und Langfristig wird Ihre unternehmerische Zukunft aber davon abhängen, was nach dem Notstand passiert?